Montag, 11. März 2013

"Das Versprechen" von David Baldacci

Ein Autounfall schleudert die Kinder Lou und Oz um das Jahr 1940 aus ihrem behüteten Leben in New York. Der Vater kommt dabei ums Leben und die Mutter fällt ins Koma. Die Uroma, die in den Bergen von Virginia in einfachsten Verhältnissen lebt, nimmt die Kinder in ihre Obhut und kümmert sich um die Pflege der Mutter.

Lou und Oz geraten in eine völlig andere Welt. Sie ist klein, entbehrungsvoll und voll täglicher Pflichten. Geht es zum Anfang dieses Familienromans mit der Schilderung des Unfalls und der Folgen noch schnell voran, tritt Baldacci beim Erzähltempo dann kräftig auf die Bremse. Die Fahrt der Kinder vom Bahnhof die Berge hinauf zur Farm der Urgroßmutter gerät lang und die Zeit scheint anzuhalten. Blumig werden die Landschaft, die Lebensumstände und die Arbeit auf den Feldern geschildert. Immer wieder werden Details in aller Ausführlichkeit beschrieben und Allegorien bemüht. Das ist fast schon zu viel des Guten. Der Autor scheint nicht sonderlich viel Vertrauen in die Vorstellungskraft seiner Leser zu haben und übertreibt gelegentlich so stark, dass es schon fast störend wirkt, die sich intuitiv einstellenden Bilder im Kopf seinen Ausmalungen anzupassen.

Die Handlung des Buches gleicht sich im Rhythmus dem Zeitmaß des Landlebens an. Die Kinder lernen, ohne Strom und fließenden Wasser auszukommen. Sie müssen täglich auf den Feldern mit anpacken, gehen zu Schule, schließen Freundschaften. Die Charaktere der Menschen in den Bergen bleiben insgesamt recht blass und auch die Motive ihrer Handlungen, abgesehen von den existenziellen Zwängen, bleiben meist verschwommen. Entdeckungstouren in die Umgebung, Konflikte mit Bergbau und Nachbarn liefern Episoden, mit denen die Geschichte voranschreitet. Sie sind jedoch recht isoliert eingestreut und selbst dramatische Ereignisse bleiben schicksalhafte Wendungen ohne direkte Auswirkungen auf den weiteren Lauf der Dinge. Zwischenzeitlich gerät beim Lesen sogar die Pflege der Mutter, der ein Freund der Familie aus Büchern vorliest, fast in Vergessenheit.

David Baldacci, der sich als Autor von Thrillern einen Namen gemacht habe, versuche sich hier in einem neuen Genre, habe ich im Klappentext gelesen. Für mich war es das erste Buch von ihm. Psychologische Tiefe und packende Spannung darf man bei dieser Familiengeschichte nicht erwarten, doch eine einfühlsame Schilderung des Lebens auf dem Land, die Verwurzelung von Menschen in einem arbeitsreichen Alltag und die Liebe zur Natur. Einiges davon mag etwas sentimental überhöht und nostalgisch sein, eine entspannende Lektüre bietet der Roman allemal.


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